Frau mit Smartphone in den Händen

460 Neue Nachrichten.

Warum antwortest du  nicht?

Hallo?

?

???

Dann nicht

Wie gehts?

Langweilig. Einfach nur langweilig. Ich kann immer nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich mir anschaue, wie ein Mann und eine Frau (oder ein Mann und ein Mann sowie eine Frau und eine Frau) miteinander „kommunizieren“. SMS und andere Textnachrichten sind Segen und Fluch zugleich. Bei vielen sind sie leider eher Fluch als Segen. Natürlich sind Textnachrichten super. Dank ihnen kann man regelmäßig miteinander in Kontakt treten, kann seine Gedanken und Gefühle mitteilen oder einfach mal ein wenig Ablenkung vom Alltag erlangen. Schnell wird das allerdings zu einem Dauerzustand und dem ausschließlichen „kommunizieren“ über Nichtigkeiten. Diese Nichtigkeiten braucht kein Mensch. Sie sind nicht schön. Sie sind nervig, alles andere als sexy, erfreulich oder, um es kurz zu sagen, sie sind absolut nicht hilfreich. Sie sind sogar oft kontraproduktiv. Textnachrichten sind, so meine Erfahrung nach, oft sehr langweilig. Das fängt an mit „Guten Morgen“, geht dann über ein „na, was machst du so?“ und endet bei einem „nichts, chillen“.

Das Leben ist zu kurz für Eintönigkeit und Langeweile

Wer mir so etwas schreibt wird direkt aus der Liste gelöscht. Solche Nachrichten gehen gar nicht. Das zeigt mir nämlich, dass diese Person ein langweiliges Leben hat, ohne Freizeitbeschäftigung und vermutlich auch ohne Freunde. Jeder „normale“ Mensch würde nämlich, wenn er einmal nichts macht und chillt, etwas dagegen unternehmen und die Zeit mit etwas Sinnvollem verbringen. Beispielsweise mit einer Freundin, einem Freund. Einem Spaziergang. Einer Runde Radfahren. Auspowern im Fitnessstudio. Mit dem schreiben eines sinnlosen sinnvollen Beitrags auf einem Blog. Mit dem Anschreiben von Männern oder Frauen auf einer Online-Datingplattform. Oder mit dem lesen eines Buches. Letzteres sorgt sehr gut dafür, dass man sich weiterentwickelt. Dass man seinen Horizont erweitert, neue Eindrücke vom Leben gewinnt, inspiriert wird etwas Neues zu entdecken und dann darüber berichten kann. Man muss spannende Dinge erleben, um über diese dann erzählen zu können. Von mir aus auch dann in einer Textnachricht. Diese sollte dann aber etwas mehr Inhalt vermitteln.

Da sind wir aber schon beim nächsten Problem. Lange Textnachrichten sind unfassbar anstrengend zu tippen und noch anstrengender zu lesen. Zumindest für mich. Deshalb schreibe ich eigentlich mittlerweile kaum noch Textnachrichten. Vielleicht habe ich auch einfach nur zu viele SMS in meinem Leben geschrieben. Wenn ich so zurück denke, an damals. Ich bin glücklicherweise in einer Zeit groß geworden, wo man noch (Liebes)Briefe geschrieben hat. Ich habe mein erstes Handy zwar im Alter von 11 Jahren bekommen, aber man hat sich hin und wieder auch noch echte, handgeschriebene Briefe geschickt. Beziehungsweise sie sich unter den Schultischen hin und her gereicht.

Langweilige Nachrichten sind mehr als kontraproduktiv

Also vielleicht bin ich einfach nur Schreibfaul geworden nach 15 Jahren SMS und Co., aber das größte Problem bleibt dennoch der meist schlechte Inhalt von Textnachrichten. Wenn ihr jemanden kennenlernt, dann sicherlich, weil er euch fasziniert. Weil er etwas Besonderes an sich hat. Weil er euch gefällt, optisch, vom Charakter, von seiner Art und Weise her, wie er oder sie lebt. Ganz egal. Ich habe jedoch schon sehr oft erlebt, dass diese anfängliche Anziehung sich in Sekunden auflöst, wie eine Brausetablette in Badewanne.
Aus einem tollen Typen wird ganz schnell einer der Kerle, die langweiliges Zeug schreiben oder falsches Zeug. Sexuelle Sachen via Whatsapp sind ein sehr heikles Thema und richten auch oft mehr Schaden als Nutzen an.

Ich weiß, wir leben in einer Zeit, in der Online-Dating schon fast zum Normalzustand geworden ist und das ist auch gut so. Ich bin ein großer Freund von Plattformen wie Tinder, Lovoo und Finya. Aber auch hier gilt: Weniger ist manchmal mehr, wie ich es bereits im Artikel warum Frauen auf Tinder niemals ihren Traummann finden werden erläutert habe.

Und Gott sprach: Macht Sprachnachrichten

Nun weiß ich natürlich auch, dass es utopisch wäre, wenn ich euch raten würde auf das Smartphone und den Laptop zu verzichten. Wir leben einfach in einer vernetzten Gesellschaft. Wenn man 24 Stunden nichts von sich hören lässt geht mein Gegenüber direkt davon aus, dass er oder sie mir nicht mehr wichtig genug ist. Das ich kein Interesse mehr an ihm oder ihr habe.
Mein Tipp ist deshalb: Anrufen. Oder Sprachnachrichten. Letzteres ist ein Segen im digitalen Zeitalter, wie ich finde. Sprachnachrichten sind super. In 30 Sekunden kann man etwas Spannendes erzählen. Oder sogar etwas Langweiliges. Durch die gesprochene Sprache werden auch langweilige Themen spannend(er).  Das soll natürlich nicht heißen, dass ihr das Buch nun wieder aus der Hand legen könnt, um weiterhin ein eintöniges, chilliges Leben zu leben, da es die Sprachnachrichten schon raushauen werden.

Aber seien wir mal ehrlich. Ein

„Guten Morgen, ich hoffe du hast gut geschlafen. Was hast du für den heutigen Tag so geplant? Ich lese gerade ein paar Seiten von Shades of Grey auf dem Weg zur Arbeit, werde danach zum Sport gehen und habe noch nichts für den Abend geplant. Wie sieht es aus, magst du mich auf einen Kaffee begleiten?“

klingt doch viel ansprechender und einladender, wenn es wirklich gesprochen und nicht bloß geschrieben wird.

Deshalb mein Rat an euch: Sprachnachrichten. Wenn ihr Zeit und Lust habt, beispielsweise auf dem Weg zur Bahn, beim warten auf die Bahn, beim Treppensteigen oder beim Warten auf den Kaffee. Gerade dann, wenn ihr euer Gegenüber noch gar nicht so recht kennt, weil ihr euch vielleicht über Tinder kennengelernt habt, ist es doch mal ganz schön, wenn man sich auch mal hört. Und nicht nur liest. Ich habe schon von vielen Frauen, aber auch von Männern gehört, dass die Stimme unfassbar viel ausmachen und auch verändern kann.
Der einzige Nachteil, der mir wirklich einfällt, ist der, dass man recht oft den genauen und kompletten Inhalt der Sprachnachrichten vergisst, wenn man nicht direkt antwortet, sondern erst ein paar Stunden später. Vor allem, wenn die Nachricht länger ging. Mich hat mal ein Mann angeschrieben, weil er ein Problem mit einer Frau hatte. Die Nachricht ging insgesamt 17 Minuten.  Ich hatte eine gute Beschäftigung vom Weg aus dem Fitnessstudio nach Hause und ihm ist wahrscheinlich der Daumen abgefallen. Aber so konnte er mir sein Anliegen schildern, was über reine Textnachrichten wahrscheinlich nicht so einfach gewesen wäre.

Sprachnachrichten sollen natürlich echte Treffen nicht ersetzen. Versteht mich bitte nicht falsch. Sie sollen nur eine Alternative oder Ergänzung zum ständigen Tippen sein. Es ist mir einfach unbegreiflich, wie ein Mann und eine Frau sich im Club begegnen, kurz begrüßen, und dann wieder zu verabschieden, um dann am nächsten Tag eine unglaublich lange Textnachricht zu verfassen, mit Entschuldigungen, weil man am Abend zuvor keine Zeit für den anderen hatte, da eine der Damen, mit denen man unterwegs war lieber einen Mädelsabend machen wollte. Da wird also lieber weiter fröhlich herumgetippt, obwohl man sich schon direkt Gegenüber stand.

Also bitte, tut mir den Gefallen und probiert es einfach aus. Nehmt einfach das Smartphone und verschickt auf der Stelle drei Nachrichten. Am besten zwei davon an eine Person, die ihr daten möchtet.
Und noch kurz für all diejenigen, die denken, dass sie keine tolle Stimme haben: lasst das lieber andere entscheiden. Wenn man die eigenen Sprachnachrichten anhört fragt man sich recht häufig, was der liebe Gott sich eigentlich bei dieser Stimme gedacht hat. Das ist normal!
Für alle, die meinen zu schüchtern zu sein: That’s Bullshit ! Traut euch. Macht es einfach. Spätestens beim Date müsst oder solltet ihr sowieso sprechen. Seht es also als Übung und Sprung ins eiskalte Becken an.

 

In dem Sinne, viel Spaß bei den Sprachnachrichten

Euer Gentleman